Wie man fragt, hat großen Einfluss auf die Antwort. Und häufig auch auf die Qualität und Relevanz der Diskussion. Politiker, Manager, Wissenschaftler und Journalisten sollten das im Blick behalten, wenn sie zum Weltwirtschaftsforum nach Davos fahren.
Vielleicht wäre es sogar das Beste, sich auf zwei Fragen zu konzentrieren. Erstens: Wie soll sich die Weltwirtschaft in den kommenden drei Jahren entwickeln? Zweitens: Ist es wahrscheinlich, dass wir unter heutigen Bedingungen und mit der heutigen Politik die gewünschte Entwicklung erreichen?
Um das Ergebnis vorwegzunehmen: Um eine wünschenswerte Entwicklung voranzutreiben, und zwar auf eine nachhaltig wirksame Weise, sind tiefgehende Strukturreformen auf nationaler, regionaler und internationaler Ebene notwendig. Amerikas Wachstums- und Beschäftigungspolitik muss aufhören, sich einfach auf den Anschub durch eine unsolide Finanzpolitik zu verlassen - und auf eine "unkonventionelle" Geldpolitik einer Notenbank, die gerade experimentiert, was das Zeug hält.
Europa muss endlich zur Kenntnis nehmen, dass die Schuldenkrise in den Randstaaten der Euro-Zone nicht mit Liquiditätshilfen zu beheben ist, bei denen einfach neue Schulden auf die alten draufgeladen werden. Japan muss die Probleme anpacken, die durch die schrumpfende Bevölkerung und die sinkenden Preise entstehen. Und die Schwellenländer müssen ihre Scheu davor überwinden, ihre neue globale Verantwortung zu übernehmen.
Welche Entwicklung wollen wir denn? Ich glaube, es gibt Übereinstimmung, dass wir uns eine rasch wachsende Weltwirtschaft wünschen, die von möglichst vielen unterschiedlichen Ländern angetrieben wird. Ein ausgewogenes Wachstum ist die Voraussetzung für den Wohlstand von Milliarden Menschen weltweit. Es reduziert die Risiken von politischen Spannungen, wirtschaftlichen Problemen und Währungskriegen.
Ich glaube auch, es herrscht Einigkeit darüber, dass dieses Wachstum selbsttragend sein sollte und nicht nur auf kurzfristigen, künstlichen und damit letztlich auch umkehrbaren Faktoren beruhen sollte. Effiziente Produktion und private Nachfrage sollten die Motoren sein, nicht "unkonventionelle" Maßnahmen der Geldpolitik, überbordende Finanzpolitik und große Kredite an Länder, die ohnehin schon überschuldet sind. Und schließlich glaube ich, dass beinahe jeder sich eine Weltwirtschaft wünscht, die den historischen Aufbruch von Ländern wie Brasilien, China, Indien und Indonesien einbezieht; und zwar so, dass solche Länder zusätzliches Wachstum bringen und nicht nur eine Schwäche der Industrieländer ausgleichen. Ausgehend von den heutigen Voraussetzungen, wird die Weltwirtschaft in den kommenden drei Jahren diese erwünschten Ziele aber nicht erreichen, sondern auf einen Kurs ins Abseits geraten.
Wenn es weitergeht wie bisher, ist die künftige Weltwirtschaft verwundbar durch ein besonders besorgniserregendes Bündel von Faktoren: unverrückbar hohe Arbeitslosigkeit in den USA - verbunden mit der entsprechenden Erosion der Kompetenzen, fiskalische Engpässe in einigen wichtigen Industrieländern, eine drohende Schwächung der institutionellen Einheit und der finanziellen Stabilität der Euro-Zone, ein nach wie vor schwaches Wachstum in Japan und Schwellenländer, die viel zu sehr von Exportmärkten abhängig sind.
Das alles zusammen ist letztlich wirtschaftlich unhaltbar. Das ist eine Welt, in der die Menschen auf Wohlstand verzichten müssen, wo die ökonomischen Reibungen zwischen einzelnen Ländern ebenso zunehmen wie der Protektionismus und Spannungen zwischen den Währungsräumen. Das ist eine Welt, in der es auch nicht gelingen wird, die Entwicklung der Schwellenländer wirklich zusätzlich für die Weltwirtschaft nutzbar zu machen.
Um das Ruder doch noch herumzureißen auf einen stabileren Kurs, müssen Foren wie Davos sich mit Macht einmischen und Einfluss nehmen auf die Politik - auf eine Politik, die sich bisher darauf ausruht, die Probleme vor sich herzuschieben. Eine Veränderung der politischen Agenda ist dringend nötig - aber auch eine große Herausforderung, sowohl von der Analyse wie von der Umsetzung her. Sie kann erleichtert werden, wenn es wenigstens zu einem breiteren Konsens - national und international - kommt. Das Treffen in Davos kann und sollte in diesem Prozess eine wichtige Rolle spielen.